“Du googelst einfach Deine Turnschuhe”
Felix Petersen hat seit sechzehn Jahren keinen Brief mehr mit der Hand geschrieben. Seine Welt ist das Internet. Als Informatikstudent gründete er 1998 seine erste Internetagentur. Und seit drei Jahren arbeitet er mit einem Partner an “Plazes”. Mit diesem Dienst sollen Mobiltelefon und Internet weiter zusammenwachsen. Manche nennen Petersen einen Visionär. In seinem Büro in Berlin Mitte sitzen junge Menschen in bunten T-Shirts vor Bildschirmen und klicken leise. Hier beantwortet Petersen Fragen von ICH/DU//IHR///.DE.
Jeder kann sich mit MySpace, StudiVZ oder Facebook im Internet präsentieren. Und mit dem Handy kann man unterwegs in Kontakt bleiben. Sie wollen es noch besser machen und haben Plazes erfunden. Sie nennen das Mobile Social Networking. Was bedeutet das?
Das Beziehungsnetzwerk, das man da aufbauen kann, wird irgendwann langweilig. Weil Deine Internetpräsenz nicht mit Deinem realen Leben verbunden ist. Und das ändern wir jetzt. Der erste Schritt ist: Über Dein Handy mit Internetverbindung teilst Du Deinen Kontakten immer wieder mit, wo Du bist. Und Dein Handy weiß ja noch mehr über Dich. Der Kalender in Deinem Handy weiß zum Beispiel, ob Du gerade in einem Meeting bist.
Warum soll ich meinen Kontakten das alles mitteilen?
Warum sollen meine Freunde nicht sehen können, dass ich gerade von der Arbeit los gegangen bin und gleich noch in die Pony-Bar gehe? Mein Handy informiert mich, wenn ein Freund in der Nähe ist. Es gibt unglaublich viele coole Sachen, die uns passieren könnten. Zufälle. Und diese Zufälle kann man fördern. Wenn mein Handy auf einem Kongress anzeigt: “Der Typ, mit dem Du schon zwei Mal telefoniert hast, der ist auch hier”, dann wird es wirklich spannend.
Ist das wirklich die Zukunft? Ich habe dann vielleicht mehr Kontakte, mein Netz wird breiter. Ständig bekomme ich Informationen von meinen Leuten. Aber sitze ich dann irgendwann gar nicht mehr “in echt” mit Freunden zusammen?
Sie werden mit mehr Leuten zusammensitzen. Weil es mehr Gelegenheiten gibt. Es schafft ja Nähe. Und genau diese Nähe war früher nicht möglich, weil es teuer und umständlich war, zu telefonieren. Natürlich: Wenn man sich wahllos Kontakte zusammensammelt, dann ist wenig Relevantes dabei. Aber das lernt man auch. Grundsätzlich sind solche Tools vor allem dann relevant, wenn ich sie mit Leuten nutze, die ich wirklich kenne. Und natürlich kann das kein Ersatz dafür sein, einen guten Freund auch wirklich zu treffen. Aber jetzt kann ich am Leben von viel mehr Leuten teilhaben. Das heißt nicht, dass mich ständig jeder Furz interessiert. Aber wenn ich was sehe, was mich interessiert, dann kann ich’s mir rausgreifen. Das wird unser Sozialverhalten ändern!
Wie sieht in zehn Jahren unser Alltag mit der digitalen Vernetzung aus?
Ein Mega-Trend ist das Internet der Dinge. Das kommt. Viel mehr Geräte werden IP-tauglich. Natürlich wird Ihre Spiegelreflexkamera auch mit dem Internet verbunden sein. Und warum nicht auch diese Tasse? Oder alle möglichen Geräte, der Beamer, Lichtschalter, Tapeten! Es geht um Sensorik. Das soll also nicht heißen, dass ich mit meinem Lichtschalter im Internet surfen kann. Aber der Kühlschrank bestellt selbst Milch! Die Sachen können miteinander reden und Informationen von sich geben. Für die Logistik hat das ganz große Konsequenzen: Dass Du letztlich keine Dinge mehr verlierst – Du googelst einfach Deine Turnschuhe, wenn Du sie nicht finden kannst. Du siehst natürlich, wo Dein Auto geparkt ist. Das sind so die einfachen, praktischen Dinge. Wir können noch gar nicht abschätzen, wo das endet. Aber Tatsache ist, dass jedes Gerät, das heutzutage mit Strom funktioniert, in Zukunft auch irgendwie im Internet sein wird.
Kann ich in zehn Jahren noch ohne Internet leben? Bin ich dann ein komischer Vogel?
Es wird sicherlich niemanden geben, der am normalen gesellschaftlichen Leben oder an einem Wirtschaftskreislauf teilnimmt und nicht vernetzt ist. Es ist so, als ob ich heutzutage sage: “Ich weigere mich, Strom zu benutzen”. Das ist schon eher exotisch, ja.
In welchen Situationen schalten Sie alle Geräte ab?
Nie. Ich schalte sie nur auf lautlos.
von Jan M. Schäfer / veröffentlicht am: 22. May 2008
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