Ich liebe Dich! - Und Dich, und Dich…

- Christina küsst Armin küsst Andreas...
Philipp Schiebler hat eine Vision: Er will mit so vielen Frauen zusammen sein, wie er lieben kann - zur gleichen Zeit. Um sich mit gleich gesinnten auszutauschen, hat der 24jährige Psychologiestudent in München einen Stammtisch für so genannte Polyamore gegründet. ICH/DU//IHR///.DE erzählt er, wie leicht er Eifersucht überwindet.
Was ist Polyamory?
Polyamory meint die bedingungslose Liebe zu mehr als einem Partner - bei Einverständnis aller Beteiligten. Der Begriff tauchte erstmals Anfang der 90er Jahre in den USA auf. Er setzt sich aus dem altgriechischen Begriff für viele (poly) und aus amor, dem lateinischen Wort für Liebe zusammen. Die polyamore Szene organisiert sich lose über Chatforen, Internetnetzwerke und Stammtische. Polyamore Partner leben ohne gesellschaftliche Zwänge und staatliche Regeln miteinander. Polyamory ist dabei ein weit gefasster Überbegriff für alle möglichen Formen der Mehrfachbeziehung: Von einer Frau mit vier Männern auf fünf Kontinenten bis zu fünf Männern mit zehn Frauen in einer Wohngemeinschaft ist alles möglich.
Hallo Philipp. Wie viele Frauen liebst Du im Moment?
Eine. – Aber die Frage ist unscharf formuliert. Beziehungen führe ich momentan mit einer. Empfindungen, die Liebe gleichkommen, habe ich aber mehreren gegenüber. Ich kann das nicht so scharf abgrenzen. Ich kann nicht sagen, die liebe ich total, und die weniger. Es gibt so drei oder vier Frauen, zu denen die Liebe groß genug ist, dass ich mir eine Beziehung vorstellen könnte.
Hast Du vor, deine Beziehung um diese drei oder vier Frauen zu “erweitern”?
Wenn sich da etwas entwickelt, ja. Dazu zähle ich z.B. noch meine Ex-Freundin, die sich von mir getrennt hat, als ich ihr gesagt habe, dass ich polyamor leben möchte. Meine Gefühle zu ihr sind immer noch sehr ähnlich zu damals. Wobei ich schon verstehen kann, dass sie mit mir nichts mehr zu tun haben will auf dieser Ebene. Deshalb dränge ich sie auch zu nichts.
Wie gehst Du das normalerweise an? Wie überzeugst Du eine Frau davon, mit Dir polyamor zu leben?
Indem ich es offen lege. Ich bleibe aber auf jeden Fall unverbindlich. Ich sage dann zum Beispiel: Ich habe mich in Dich verliebt, das bedeutet jetzt aber nicht, dass wir eine Beziehung anfangen müssen. Wenn sich daraus eine Freundschaft entwickelt, dann bin ich auch zufrieden. Es ist nicht so, dass, wenn ich eine Frau liebe, es immer eine Beziehung werden muss.
Ich kenne das eher anders: Wenn ich einer Frau meine Liebe gestehe, dann sind wir danach entweder zusammen oder wir haben uns nicht mehr viel zu sagen.
Ich kann nach so einem Geständnis auch Gefühle auf freundschaftlicher Ebene transportieren. Zumindest haben sich meistens Freundschaften aus solchen Situationen entwickelt.

Kann man das lernen?
Das ist eine Typfrage.
Lebt Deine aktuelle Freundin denn auch “poly”?
Nein. Aber sie kann nachvollziehen, dass ich so fühle. Sie hat sich aber bisher noch in keine weitere Person verliebt. Sie weiß nicht, ob sie polyamor ist oder nicht, weil sie es de facto nur theoretisch nachvollziehen kann, aber praktisch noch nicht erlebt hat.
Lebten denn Deine Freundinnen früher polyamor?
Von den zwei Freundinnen, die ich parallel hatte, lebte eine auch polyamor.
Mochtest Du den anderen Partner Deiner Freundin?
Ja. Ich habe ihn leider nie persönlich kennen gelernt, weil die Distanz zu groß war. Meine Freundin und ich führten eine Fernbeziehung, und ihr anderer Partner lebte in ihrem Wohnort. Auf einem Foto war er mir sofort sehr sympathisch.
Ist sie mit ihm noch zusammen?
Leider auch nicht.
Hat ein Mädchen mit dem du zusammen warst, schon mal vor Dir mit einem anderen Typen rumgeknutscht?
Ich habe das einmal mit einer meiner letzten Freundinnen erlebt. Und ich fand es toll. Ich fand es schön.
Was daran?
Zum einen habe ich gemerkt, dass sie sich ein wenig ziert. Dass sie sich ein bisschen unsicher war, ob sie das jetzt machen kann oder nicht.
Du hast sie also ein wenig in diese Richtung gelenkt?
Ja, ein wenig schon. Das ganze spielte sich auf einer Poly-Feier ab, auf der wurde viel und völlig durcheinander rumgeknutscht. Und dass sie sich da beteiligt hat, einen anderen Mann geküsst hat, fand ich schön. Da habe ich mich für sie gefreut, weil sie das einfach zugelassen hat.
Hast Du Dich denn ganz selbstlos für sie gefreut, oder auch ein bisschen für Dich, weil Dein Konzept aufgegangen ist?
Ein wenig. Es wäre heuchlerisch von mir, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich mich auch ein bisschen für mich gefreut habe. Aber die Tatsache, dass sie einen anderen Mann geküsst hat, hat in mir gar keine schlechten Gefühle ausgelöst.

Keine Eifersucht?
Nein. Überhaupt nicht.
Kein Magengrummeln?
Nein, nein. Gar nicht.
Keinen Schmerz? Keine Wut?
Auch nicht. Wir können jetzt alle Emotionen durchgehen. Ich werde die Frage immer mit nein beantworten. Ich war mir in dem Augenblick so sicher, dass das jetzt nichts Schlimmes zu bedeuten hat. Ich habe gesehen, dass es ihr Spaß macht, ihm Spaß macht. Mir war klar, dass unsere Beziehung dadurch in keiner Weise beeinträchtigt wird. Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, dass sie mir durch die Teilhabe an meinem Konzept näher stand als je zuvor.
Hast du auf dieser Feier mit jemandem rumgeknutscht?
Externe Links
Ja. Mit zwei Mädels, glaube ich.
Wie lebst Du in 50 Jahren?
Ich kann mir vorstellen, mit ein oder zwei Frauen Kinder zu haben. Mit diesen Frauen zusammen in einer Lebensgemeinschaft zu wohnen. Vielleicht nebenher noch Freundinnen zu haben, die ich seltener sehe.
Auch mit einem Mann, der mit einer Deiner Frauen zusammen ist?
Das wäre auch möglich. Sexuell würde da nichts laufen, weil ich heterosexuell bin.
Ich meinte eher, mit einem Mann, der mit ein oder zwei Deiner Frauen zusammen wäre.
Wenn das ein sympathischer Mensch wäre, dann wäre das für mich kein Problem.
von Benjamin Kaiser / veröffentlicht am: 22. May 2008
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